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Kurzbericht der AG DuG

BeitragVerfasst: 30. Oktober 2008 15:07
von AZeyfang
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Was gibt es neues zur Diabetes-Therapie im Alter?

Dr. med. Dr. Univ. Rom Andrej Zeyfang
Bethesda Krankenhaus Stuttgart,
Hohenheimerstr. 21
70184 Stuttgart
Tel.: 0711-2156-251
Fax: 0711-2156-297
e-mail:
andrej.zeyfang@bethesda-stuttgart.de

In Deutschland leidet ein Viertel der über 75-jährigen unter einem Diabetes mellitus. Biologisch ältere, multimorbide und in ihren Funktionen beeinträchtigte geriatrische Patienten benötigen spezielle Vorgehensweisen bei Zielplanung, Allgemeinmaßnahmen und Pharmakotherapie.

Das süße Alter…
Seit einigen Jahren ist der Einfluss des Diabetes bei verschiedenen Problembereichen des älteren Menschen wie beim Sehvermögen, der Inkontinenz, Depression, dem geistigen Abbau oder bei Mobilitätsstörungen und Sturzgefahr bekannt. Aus dem übergewichtigen Typ 2 Diabetiker entwickelt sich häufig im Alter ein „gebrechlicher“ geriatrischer Patient, der unter Umständen rasch pflegebedürftig wird.

Übergewicht im mittleren Lebensalter (möglicherweise auch in der Jugend?) ist bei Auftreten eines metabolischen Syndroms mit Diabetes mellitus dann im höheren Lebensalter mit mehr Gebrechlichkeit, Einschränkung der Selbständigkeit und der Lebensqualität sowie Pflegebedürftigkeit verbunden – ein guter Grund um noch stärker gegen Übergewicht und das daraus entstehende metabolische Syndrom anzukämpfen!

Besonders die Zusammenhänge zwischen Diabetes, Demenz und Depression werden immer klarer und haben eine große Bedeutung für Therapie und -Ziele beim älteren Menschen mit Diabetes.

Allgemeinmaßnahmen helfen auch im Alter
Herkömmliche Diabetesschulungen sind bei geriatrischen Patienten nicht sehr effektiv. Alternativen sind speziell für ältere Menschen entwickelte Schulungsprogramme wie die „strukturierte geriatrische Schulung“ (SGS). Sie hat 2005/2006 an mehr als 200 geriatrischen Patienten mit Diabetes mellitus ihre Effektivität bewiesen. Bei höhergradigen kognitiven oder physischen Funktionseinschränkungen, speziell bei Pflegeheimbewohnern ist es aufgrund der vorhandenen Defizite oft nicht mehr möglich oder nicht mehr sinnvoll, eine Schulung am Patienten durchzuführen. Hier müssen die sie versorgenden professionellen Kräfte aus der Altenhilfe z.B. mit dem Curriculum „Fortbildung Diabetes für Altenpflegekräfte“ (FoDiAl) entsprechend instruiert werden.

Die Tablettentherapie des älteren Menschen mit Diabetes wird oft dadurch schwierig, dass zum einen eine große Zahl verschiedener Medikamente eingenommen werden muss (Diabetes, Bluthochdruck, hohe Blutfette) zum anderen eine höhere Empfindlichkeit des Älteren bezüglich Medikamenten besteht. Leider werden in Studien nach wie vor zu selten ältere Menschen mit Diabetes eingeschlossen. Bei den neuen „Inkretin-Mimetika“ wurden in den Studien leider nahezu ausschließlich junge Menschen untersucht. Für Januvia® wurden 61 Menschen >75 Jahre in Studien untersucht, bei Byetta® waren es 27. Aus dieser verschwindend geringen Zahl lassen sich keine Empfehlungen für die große Anzahl Älterer ableiten!

Insulin ist im Alter besonders wichtig – wer kann es noch selbst spritzen?
Der Beginn einer Insulintherapie ist für viele geriatrische Patienten mit Diabetes die beste Möglichkeit eine anabole Stoffwechselsituation zu erreichen und somit Verbesserung der Mobilität und sogar teilweise der Kognition zu erzielen.

Dass dieses Hormon aber bisher gespritzt werden musste, verlangte vom älteren Menschen entweder eine sehr gute Lernfähigkeit und den Wunsch zur Mitarbeit, oder den Einsatz einer professionellen Hilfe (Diakoniestation), die mehr oder weniger genau zur gewünschten Essenszeit nach Hause kommt. Hierdurch entstehen nicht unerhebliche zusätzliche Kosten und eine Einschränkung der Lebensqualität durch Abhängigkeit, so dass es ein Ziel sein muss, möglichst viele ältere Diabetiker zur eigenständigen Insulintherapie zu bringen.

Die Studie DIAMAN untersuchte den Einsatz einer einfachen Untersuchung des geriatrischen Assessments zur Vorhersage der Fähigkeit zur Insulin-Selbstinjektion bei Älteren. Für eine einfache Insulintherapie, muss der Patient am Insulinpen die richtige Dosis einstellen und das Insulin damit injizieren können. Dafür braucht er drei Fähigkeiten:
- er muss ausreichend zählen können, um die richtige Zahl einzustellen
- er muss gut genug sehen können, um die Dosisangaben auf dem Pen zu lesen und
- er darf zwar etwas zitterig sein. Aber die Hände müssen doch ruhig und kräftig genug sein, um den Dosierknopf zu drücken und die Injektion in Bauch oder Oberschenkel ohne große Probleme durchzuführen.
Alle drei Fähigkeiten kann zukünftig jeder Hausarzt in seiner Praxis mit dem Geldzähl-Test einfach und schnell überprüfen. Solche einfache, praxisnahe Hilfen werden für die wachsende Zahl geriatrischer Diabetiker dringend benötigt!

Neue Aufgaben und Herausforderungen
Bei derzeit ca. 8 Mio. Menschen mit Diabetes wird 2010 mit ca. 10 Mio gerechnet. Dies sind vorwiegend ältere, teilweise „geriatrische“ Menschen mit Typ 2 Diabetes. Gebrechlichkeit als Altersproblem ist stark mit dem Vorliegen des metabolischen Syndroms verknüpft. Es gibt Hinweise darauf, dass mit einer konsequenten Behandlung des metabolischen Syndroms auch viele „Altersprobleme“ wie Demenz, Stürze, Immobilität etc. vermieden werden können. Einige Studien zu diesen Zusammenhängen werden durch die Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Geriatrie der DDG durchgeführt und erste Ergebnisse gezeigt. Vieles bleibt jedoch noch offen.

Im Namen des gesamten Vorstands,

Dr. med. Dr. Univ. Rom Andrej Zeyfang
Vorsitzender der AG Diabetes und Geriatrie der DDG


Haben wir Ihr Interesse geweckt? (Flyer AG Diabetes+Geriatrie)
Mitglieder der DDG, DGG oder DGGG können per Willenserklärung Mitglied der AG Diabetes und Geriatrie werden. Alle anderen sollten einen Antrag mit kurzer Begründung an den Schriftführer irene.feucht@bethesda-stuttgart.de - Betreff: AG DuG senden.